Warum ich lernen musste, mich selbst zu regulieren
Mein Nervensystem war schon immer sensibel. Schnell überreizt. Schnell aus der Balance.
Früher hat mich das kaum gestört. Heute schon.
Heute habe ich ein Kind.
Und ich kann es mir nicht mehr leisten, aus der Haut zu fahren oder innerlich komplett dichtzumachen. Wenn ich mein Kind co-regulieren möchte, muss ich erst einmal lernen, mein eigenes Nervensystem zu regulieren.
Selbstregulation ist für mich kein Trendbegriff.
Sie ist die Grundlage für einen gelasseneren Alltag mit Kind.
In den letzten drei Jahren habe ich viel ausprobiert. Ich habe beobachtet, was mich triggert, was mich beruhigt – und was mein Nervensystem wirklich braucht. Dabei sind Strategien entstanden, die mir helfen, nicht dauerhaft im Stressmodus zu leben.
Heute teile ich sie mit dir.
Vielleicht ist ja etwas dabei, das auch dir hilft, dein Nervensystem zu stabilisieren – und im Familienalltag etwas mehr Ruhe zu finden.
Ein kleiner Hinweis: Einige der Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.
Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst nutze und wirklich mag. Zwei der verlinkten Produkte sind keine Affiliate-Links – das habe ich jeweils mit „(Unbezahlte Werbung)“ gekennzeichnet.
Meine Werkzeuge gegen Dauerstress
BookBeat
(Unbezahlte Werbung)
Das hier ist Werbung – aber im völlig uneigennützigen Stil.
Ich bekomme nichts dafür. Ich bin einfach wirklich begeistert von dieser App.
Beim ewigen Spazierengehen mit Baby und bei langen Einschlafbegleitungen konnte ich so nebenbei etwas Neues Lernen. Mich inspirieren lassen und weiterbilden. Oder einfach einer Geschichte zuhören.
Und ganz ehrlich: Einschlafbegleitung war noch nie mein Lieblingsmoment des Tages. Vor allem nicht im Baby alter, als die noch mehrfach am Tag nötig war. Hörbücher und Geschichten haben mir dabei die nötige Ruhe gegeben. Sie haben diese Zeit leichter gemacht.
Mit „Weiterbilden“ möchte ich übrigens keinen Druck erzeugen. Wenn du gerade ein Baby bekommen hast und dich überhaupt nicht danach fühlst – dann ist das völlig okay.
Ich habe mich in dieser Zeit oft isoliert gefühlt. Als wäre meine einzige Aufgabe nur noch, dieses kleine Wesen zu versorgen. Mir hat es gutgetan, mich trotzdem als denkenden, wachsenden Menschen zu erleben – auch wenn sich der Alltag oft im Kreis dreht.
Ob man von all den Informationen im Halbschlaf besonders viel behält? Darüber lässt sich streiten. Aber das Gefühl, nicht komplett stillzustehen, war für mich unbezahlbar.
Tanzen
Das klingt vielleicht erst einmal etwas ungewöhnlich, funktioniert bei uns aber erstaunlich gut, wenn alles zu viel wird. Oft ist es so, dass meine eigene Überreizung auch die Stimmung meines Sohnes aus der Balance bringt und wir uns dann gegenseitig immer weiter hochschaukeln.
Unser Weg aus diesem Teufelskreis ist dann ganz einfach: Wir drehen Musik auf, die uns gute Laune macht, und tanzen wild durch das Wohnzimmer.
Die Bewegung hilft dem Körper, Stress abzubauen, und die Musik hebt gleichzeitig die Stimmung. Meist dauert es nur ein paar Minuten, bis wir beide wieder deutlich entspannter sind.
Bluetooth-Kopfhörer
Gefühlt besitzt sie mittlerweile jeder – trotzdem möchte ich dir meine vorstellen.
Ich habe eher kleine Ohren. Viele Kopfhörer, die ich ausprobiert habe, haben nie richtig gepasst und sind ständig herausgefallen. Meine Galaxy Buds Live sind da anders. Sie sitzen nicht direkt im Gehörgang, sondern sitzen in der Ohrmuschel – und sind mir bisher kein einziges Mal herausgerutscht.
Was ich besonders mag: Man kann sie unterschiedlich einstellen.
So, dass Außengeräusche stark gedämpft werden.
Oder so, dass man Musik hört, aber trotzdem das leiseste Geräusch wahrnimmt.
Ich konnte also ungestört Musik hören – und wusste gleichzeitig, dass ich das Babyfon jederzeit hören würde. Diese Mischung aus Abschalten und trotzdem präsent sein hat mein Nervensystem enorm entlastet.
Affirmationen
Auf Affirmationen bin ich erst vor gar nicht allzu langer Zeit gestoßen.
Lange habe ich nicht verstanden, was es bringen soll, sich selbst „Lügen“ zu erzählen.
Wenn ich nicht daran glaube, mutig zu sein – bringt es doch nichts, mir das einzureden. Oder?
Doch. Es bringt etwas.
Nur nicht, wenn dein Kopf sofort hinterherschiebt: „Lüge, Lüge!“
Ich habe mir eine Liste mit Sätzen geschrieben, die ich glauben möchte. Dinge, die ich falsch abgespeichert habe. Zum Beispiel: Geld ist schlecht.
Rational weiß ich, dass das nicht stimmt. Geld macht Menschen nicht schlecht. Man kann damit sogar viel Gutes tun. Aber mein Unterbewusstsein hatte lange eine andere Geschichte gespeichert.
Und genau da helfen mir Affirmationen.
Ich lese sie mir täglich durch. Stück für Stück lernt mein Unterbewusstsein, was ich heute für wahr halte – und überschreibt alte Muster.
Zum Beispiel:
Ich bin eine gelassene Mutter.
Meditation
Der Klassiker, wenn es um das Nervensystem geht.
Ich möchte gar nicht tief in die Theorie einsteigen – es gibt bereits viele Beiträge, die das wissenschaftlich besser erklären können. Ich möchte dir nur sagen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu meditieren.
Du darfst deinen eigenen finden.
Für mich bedeutet Meditation nicht, nichts zu denken.
Sondern meinen Gedanken wertfrei zuzuhören.
Ich sitze dabei auch nicht in völliger Stille. Ich höre Meditationsmusik – auf YouTube gibt es unzählige Varianten. Probier dich durch, wenn du magst. Meine drei liebsten verlinke ich dir gern.
Wenn mein Kopf Raum bekommt, zu „reden“, wird er danach oft leiser. Nach etwa zehn Minuten werden die Gedanken oft ruhiger – manchmal entsteht sogar echte Stille.
Ich erzwinge das aber nicht. Und es ist völlig okay, wenn es nach einem sehr stressigen Tag nicht passiert.
Was ich deutlich merke: Regelmäßige Meditation macht mich gelassener. Und bringt mich immer wieder zu überraschend klaren Erkenntnissen.
YouTube
Journaling
Journaling kann ganz unterschiedlich aussehen und lässt sich auf viele verschiedene Arten nutzen.
Als klassisches Tagebuch.
Als Gedankensammlung.
Als To-do-Liste.
Zur Selbstreflexion, für Dankbarkeit, zum Manifestieren oder einfach zum Erinnern.
Eine besonders zeitsparende Variante ist das „Some Lines a Day“-Journal, das ich sehr liebe. Über fünf Jahre hinweg schreibt man jeden Tag nur ein paar Zeilen.
Das Highlight des Tages. Ein Gedanke. Etwas, das bleiben soll.
Was ich daran so kraftvoll finde:
Man schlägt jedes Jahr dieselben Seiten wieder auf. Man liest alte Einträge. Sieht, was einen damals beschäftigt hat.
Und plötzlich merkt man:
Wie sehr man gewachsen ist.
Was man alles geschafft hat.
Wie klein sich alte Probleme heute anfühlen.
Das gibt Abstand.
Und Vertrauen.
Ich weiß inzwischen: Auch das, was mich heute überfordert, wird in ein paar Monaten kleiner wirken.
Smartwatch
Ich bin eher zerstreut. Ein kleines Siebhirn auf zwei Beinen.
Und obwohl ich eigentlich unabhängig von Technik sein möchte – erleichtert mir meine Smartwatch vieles. Einfach, weil sie mir Denkprozesse abnimmt.
Wann müssen wir los in die Kita?
Wann ist die Wäsche fertig?
Wann sollte ich anfangen zu kochen?
Ja – dafür habe ich eine tägliche Erinnerung.
Gerade im Sommer, wenn es lange hell ist, verliere ich leicht das Zeitgefühl. Und da es mir wichtig ist, dass mein Kind ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett geht, hilft mir diese kleine Struktur enorm.
Ich bin nicht in allen Bereichen organisiert.
Also gebe ich einen Teil davon ab. An meine Uhr.
Und auch das entlastet mein Nervensystem.
Papierkalender
Weitere Denkprozesse gebe ich ganz bewusst an meinen Papierkalender ab.
Welches Modell am besten zu einem passt, ist natürlich sehr individuell. Ich nutze seit Jahren die Kalender von „Ella TheBee – Olives and Moon“ (Unbezahlte Werbung). Ich mag das schlichte Design und finde sie wirklich durchdacht aufgebaut.
Im Dezember nehme ich mir einmal bewusst Zeit, um das kommende Jahr vorzubereiten.
Ich trage alles ein, was ich jetzt schon weiß:
Geburtstage. Müllabfuhrtermine. Ferien und Feiertage.
Auch wiederkehrende Dinge notiere ich mir direkt – zum Beispiel, dass ich in bestimmten Monaten einen Zahnarzttermin vereinbare oder die U-Untersuchung ansteht. Dass im Frühling und Herbst die Reifen gewechselt werden müssen.
Ja, das dauert eine Weile.
Aber genau diese Übersichtlichkeit liebe ich am Papierkalender. Ich sehe alles auf einen Blick, werde stetig erinnert – und muss mir im Alltag nicht immer wieder neu Gedanken darüber machen.
Bei der Vorbereitung trage ich alle festen Termine zunächst in die Monatsübersichten ein. Woche für Woche übernehme ich sie dann in die jeweiligen Wochenansichten.
So geht nichts Wichtiges unter.
Und mein Kopf darf ein bisschen leerer bleiben.
Selbstregulation ist kein Luxus
Mein Nervensystem ist nicht perfekt reguliert – und das wird es vermutlich auch nie sein. Aber ich habe gelernt, es besser zu verstehen. Ich erkenne schneller, wann ich überreizt bin, wann ich im Stressmodus feststecke und wann ich eine Pause brauche.
Selbstregulation bedeutet für mich nicht, immer gelassen zu bleiben. Es bedeutet, schneller zurückzufinden. Zurück in die Balance. Zurück in einen Zustand, in dem ich nicht nur funktioniere, sondern wirklich präsent sein kann.
Gerade im Alltag mit Kind ist ein reguliertes Nervensystem keine Nebensache. Es ist die Grundlage. Denn wenn ich ruhig bleiben möchte, um mein Kind co-regulieren zu können, darf ich lernen, mich selbst zu stabilisieren.
Ob durch Meditation, Journaling, klare Strukturen im Kalender oder kleine technische Helfer – all diese Dinge sind für mich keine Optimierungs-Tools. Sie sind Entlastungs-Tools. Sie helfen mir, Stress zu reduzieren und mein Nervensystem Schritt für Schritt zu regulieren.
Dabei geht es nicht darum, alles perfekt zu machen oder sofort komplett ausgeglichen zu sein. Oft reicht ein kleiner Anfang. Eine neue Gewohnheit. Ein bewusster Moment mehr im Alltag.
Wenn dein Nervensystem gerade am Limit ist, dann musst du nicht dein ganzes Leben umkrempeln. Vielleicht genügt ein erster, machbarer Schritt in Richtung mehr Stabilität.
Denn ein reguliertes Nervensystem ist kein Luxus. Es ist die Basis für einen gelasseneren Familienalltag – und für ein Kind, das sich sicher fühlen darf.
Und manchmal beginnt genau das damit, dass wir lernen, uns selbst ein Stück besser zu verstehen.



