Rauhnächte – Eine besondere Chance für Mütter

Zwischen Vorweihnachtsstress und der Sehnsucht nach echter Stille

Das Jahresende rückt näher. Überall ist von Besinnlichkeit die Rede, von gemütlichen Abenden, Kerzenschein und Zeit mit der Familie. Die Rauhnächte rücken näher und du sollst zur Ruhe kommen.

Und gleichzeitig beginnt für viele Mütter gerade dann die Zeit, in der besonders viel an ihnen hängen bleibt.

Geschenke organisieren. Termine koordinieren. Weihnachtsfeiern, Nikolaus, Besuche bei der Familie. Überlegen, wer was essen darf und was die Kinder wahrscheinlich wieder ablehnen werden. Daran denken, welches Geschenk noch fehlt und wann eigentlich die Weihnachtskarten verschickt werden sollten.

Und nebenbei soll man natürlich auch noch genießen. Besinnlich sein. Dankbar sein. Die besondere Zeit mit den Kindern bewusst erleben.

Manchmal frage ich mich, ob wir von Müttern nicht ein bisschen viel verlangen.

Denn selbst wenn Weihnachten endlich da ist, bedeutet das nicht automatisch, dass unser Kopf zur Ruhe kommt.

Vielleicht kennst du das:

Alle sitzen gemütlich zusammen und du denkst trotzdem daran, dass morgen noch die Küche aufgeräumt werden muss oder du sitzt auf dem Sofa und planst gedanklich schon den nächsten Tag.

Die Kinder spielen mit ihren neuen Sachen und du überlegst, ob du eigentlich genug Zeit mit ihnen verbracht hast.

Der Körper ist im Raum. Der Kopf ist schon wieder woanders.

Und genau deshalb mag ich die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr so sehr – die Rauhnächte. Nicht, weil plötzlich alles still wäre. Sondern weil wir uns zumindest für einen Moment erlauben können, nicht ständig weiterzumüssen.

Die Rauhnächte: eine alte Zeit zwischen den Jahren

Die Rauhnächte gehören zu den alten Bräuchen rund um die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Welche Nächte genau dazugezählt werden, unterscheidet sich regional. Häufig ist von zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar die Rede, oft wird als Beginn aber auch der einundzwanzigste Dezember genannt.

Auch ihre genaue Entstehung lässt sich nicht auf eine einzige Geschichte reduzieren.

Eine verbreitete Erklärung bezieht sich auf den Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr: Ein Mondjahr ist kürzer als das Sonnenjahr, wodurch sich die Vorstellung von einigen „übrigen“ Tagen bzw. Nächten zwischen den Jahren entwickelte. Gleichzeitig haben sich rund um diese Zeit unterschiedliche Bräuche und Vorstellungen entwickelt – vom Räuchern über Orakel bis hin zu Geschichten von Geistern, der Wilden Jagd und Perchten.

Auch der Name selbst ist nicht eindeutig geklärt. Er wird unter anderem mit dem Räuchern in Verbindung gebracht, aber auch mit „rauhen“ beziehungsweise haarigen Gestalten.

Ich finde diese Uneindeutigkeit eigentlich ganz schön.

Denn vielleicht müssen wir gar nicht entscheiden, was die Rauhnächte „wirklich“ sind. Sie waren und sind je nach Region etwas anderes. Für manche sind sie tief mit ihrem Glauben verbunden, für andere gehören Räucherrituale und alte Bräuche dazu und manche interessieren sich für die spirituelle Seite.

Und andere nutzen diese Tage einfach, um das vergangene Jahr zu betrachten und etwas bewusster ins neue zu gehen.

All das darf nebeneinander existieren.

Warum ich glaube, dass gerade Mütter die Rauhnächte gut gebrauchen können

Was mich an den Rauhnächten besonders interessiert, ist gar nicht die Frage, ob ein Ritual funktioniert oder ob ein Wunsch tatsächlich in Erfüllung geht. Es ist die Tatsache, dass diese Zeit uns einen Anlass zum Innehalten gibt, denn wann machen wir das sonst?

Nicht nur fünf Minuten zwischen zwei Aufgaben. Nicht die kurze Pause, in der wir schnell einen Kaffee trinken. Sondern wirklich innehalten.

Zurückblicken.

Uns fragen:

Wie geht es mir eigentlich?

Nicht:

Wie geht es den Kindern?

Wie läuft der Haushalt?

Was braucht mein Partner?

Was muss noch erledigt werden?

Sondern:

Wie geht es mir?

Ich glaube, gerade diese Frage geht im Alltag von Müttern erstaunlich schnell verloren.

 

Wir organisieren so viel – aber wann schauen wir eigentlich hin?

Mutterschaft besteht zu einem großen Teil aus Vorausdenken.

Was brauchen die Kinder morgen?

Wann müssen wir los?

Was muss eingekauft werden?

Wer holt das Kind ab?

Was muss noch gewaschen werden?

Wann ist der nächste Arzttermin?

Was essen wir?

Und irgendwann läuft dieses Vorausdenken so automatisch, dass wir gar nicht mehr merken, wie viel Raum es in unserem Kopf einnimmt.

Die Rauhnächte können deshalb eine interessante Gegenbewegung sein. Nicht noch ein Programm. Nicht noch eine Aufgabe. Sondern eine Einladung, für ein paar Minuten nicht vorauszuplanen.

Stattdessen zurückzuschauen.

Was hat dieses Jahr eigentlich mit mir gemacht?

Wir sprechen oft darüber, was wir nächstes Jahr vor haben. Was wir erreichen wollen. Wo wir hin wollen. Was wir endlich umsetzen wollen.

Aber vielleicht ist eine andere Frage viel interessanter:

Was hat dieses Jahr mit mir gemacht?

Was hat mich verändert?

Was hat mich stärker gemacht?

Was hat mich erschöpft?

Welche Menschen haben mir gutgetan?

Wo habe ich mich selbst verloren?

Welche Version von mir habe ich vielleicht viel zu lange versucht aufrechtzuerhalten?

Und wo habe ich mich selbst überrascht?

Ich finde, solche Fragen erzählen viel über uns und warum wir sind, wer wir sind. Für mich gehört dir Rückschau unumgänglich zur Veränderung dazu. Denn wenn ich nicht verstehe, warum ich etwas tue, kann ich mein Verhalten nur schwer ändern.

Die Neujahrsvorsätze werden sich im Sand verlaufen, noch bevor sie die Chance hatten, zu einer Gewohnheit zu werden.

Und gerade für mich als Mama ist es wichtig, mir mit neuen Vorsätzen nicht noch mehr Druck und Arbeit zu machen.

Stattdessen will ich verstehen, wer ich bin, mich wertschätzen und meinem Sohn ein Vorbild sein.

Und dann kommt das Loslassen

Loslassen klingt mittlerweile fast schon wie ein abgenutztes Wellnesswort. Alles soll losgelassen werden. Negative Gedanken. Alte Beziehungen. Schlechte Gewohnheiten. Vergangenheit. Menschen, die uns nicht guttun.

Aber ich glaube, echtes Loslassen funktioniert selten auf Knopfdruck – zumindest hatte ich nie verstanden, wie das funktionieren soll.

Manchmal müssen wir zuerst verstehen, warum wir etwas überhaupt festhalten.

Vielleicht halten wir an einer Beziehung fest, weil wir Angst vor Einsamkeit haben. Vielleicht halten wir an einer Gewohnheit fest, weil sie uns im Alltag etwas gibt, das uns an anderer Stelle fehlt. Vielleicht halten wir an einem alten Bild von uns fest, weil wir nicht wissen, wer wir ohne dieses Bild sein sollen.

Und vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb nicht:

„Was muss ich loslassen?“

Sondern:

„Warum fällt es mir so schwer, loszulassen?“

Das ist für mich eine viel spannendere Frage und meist, wenn ich darauf eine Antwort gefunden habe (die wirklich ehrliche Antwort, die auch manchmal sehr unangenehm sein kann), löst sich mein „Problem“ ganz von allein in Luft auf.

Du musst aus den Rauhnächten nichts machen, das sie für dich nicht sind

Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen.

Du brauchst keine besondere Räuchermischung, keine zwölf Kerzen, keine Tarotkarten, kein perfektes Ritualzimmer und du musst auch nicht jeden Abend eine Stunde meditieren.

Wenn du Lust darauf hast: wunderbar.

Wenn nicht: auch gut.

Vielleicht sitzt du zehn Minuten mit einem Tee auf dem Sofa und schreibst drei Gedanken auf. Vielleicht stellst du dir nur eine Frage. Vielleicht gehst du mit deinen Kindern spazieren und denkst dabei über etwas nach. Vielleicht hast du überhaupt keine Ruhe und kommst erst am 4. Januar dazu, dich hinzusetzen.

Auch dann hast du nichts falsch gemacht.

Die Rauhnächte sind kein weiterer Punkt auf der Liste, den wir als Mütter möglichst perfekt abarbeiten müssen.

Das wäre ja irgendwie absurd.

(In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie ich mich auf die Rauhnächte vorbereite.)

Ein kleines Ritual, das du heute schon ausprobieren kannst

Wenn du ausprobieren möchtest, wie sich diese Art der Reflexion anfühlt, brauchst du dafür nicht bis zu den Rauhnächten zu warten.

Nimm dir heute Abend fünf bis zehn Minuten, leg dein Handy weg und stell dir nur diese eine Frage:

Was hat mir dieses Jahr gutgetan – und was hat mir nicht gutgetan?

Schreib alles auf, was kommt.

Ohne es zu bewerten.

Wenn dir zunächst nur die Einkaufsliste einfällt: Schreib meinetwegen auch die auf, denn dein Kopf laut ist, darf er laut sein.

Mit ein bisschen Zeit kommen manchmal andere Gedanken, Erinnerungen, Gefühle. Dinge, die wir im Alltag erfolgreich zur Seite schieben.

Vielleicht merkst du plötzlich, dass du etwas vermisst oder erkennst, dass du etwas nicht mehr möchtest. Vielleicht fällt dir ein Moment ein, in dem du dich unglaublich lebendig gefühlt hast. Oder du stellst fest, dass du dieses Jahr viel mehr geschafft hast, als du dir bisher zugestanden hast.

Du musst daraus noch keine Konsequenz ziehen.

Erst einmal reicht es, es wahrzunehmen. Sich darüber bewusst zu werden.

Denn unser automatisches Handeln – der automatische Griff zur Schokolade, die Angst vor etwas banalem – ist unbewusst. Je mehr wir es schaffen, unbewusste Handlungen bewusst werden zu lassen, desto leichter können wir Einfluss darauf nehmen. Desto weniger fühlt es sich für mich an, wie ein Kampf gegen mich. Es fühlt sich an, wie ein gemeinsames Erforschen. Mein Bewusstsein und mein Unterbewusstsein finden gemeinsame Lösungen.

(In diesem Beitrag findest du 5 Fragen, die ich mir gerne stelle.)

Vielleicht ist das die eigentliche Chance der Rauhnächte

Nicht, dass sie unser Leben verändern, sondern dass wir uns selbst wieder ein bisschen besser zuhören.

Denn Veränderung entsteht nicht immer aus einem großen Entschluss.

Manchmal beginnt sie ganz unspektakulär.

Mit einem Gedanken, einer Frage oder dem Moment, in dem wir merken:

So möchte ich eigentlich nicht weitermachen.

Oder:

Davon möchte ich mehr.

Oder vielleicht sogar:

Ich glaube, ich bin gar nicht das Problem, für das ich mich die ganze Zeit gehalten habe.

Das sind keine Neujahrsvorsätze, das sind Erkenntnisse.

Und aus Erkenntnissen können irgendwann Entscheidungen entstehen.

Und genau deshalb haben die Rauhnächte für mich ihren Platz

Ich brauche sie nicht, weil ich glaube, dass in zwölf Nächten automatisch etwas Magisches mit mir passiert.

Ich mag sie, weil sie mir einen Anlass geben, mich selbst nicht ganz aus den Augen zu verlieren (und ich mag sie, weil sie sich doch irgendwie magisch anfühlen). Gerade in einem Leben, in dem ein kleiner Mensch ständig etwas von mir braucht.

Vielleicht ist das sogar eines der schönsten Geschenke, die wir uns in dieser Zeit machen können:

Nicht noch mehr leisten, oder noch besser werden. Nicht das perfekte neue Jahr planen, sondern einfach einmal sitzen bleiben und zuhören.

Wenn du dabei einen Rahmen möchtest

Über mehrere Jahre habe ich mir für die Rauhnächte meine eigenen Workbooks zusammengestellt. Nicht, weil ich ein perfektes Ritual brauchte, sondern weil ich gemerkt habe, dass mir ein fester Rahmen hilft, tatsächlich dranzubleiben.

Irgendwann ist daraus mein eigenes Rauhnächte-Workbook entstanden.

Darin findest du eine Einführung in die Rauhnächte, Reflexionsfragen, Übungen und Impulse für die einzelnen Nächte. Die einzelnen Seiten sind bewusst so gestaltet, dass du nicht jeden Abend eine Stunde dafür brauchst. Zehn bis fünfzehn Minuten reichen völlig.

Wenn du Lust hast, kannst du dir damit deine eigene kleine Rauhnachtszeit gestalten.

Wenn nicht, nimm dir einfach die eine Frage aus diesem Beitrag mit.

Auch das reicht.


Eine letzte Frage für dich

Wenn du heute auf dein vergangenes Jahr zurückblickst:

Was möchtest du unbedingt mit ins neue Jahr nehmen – und was möchtest du dort nicht mehr finden?

Vielleicht ist genau das der Anfang deiner Rauhnächte.

12 Nächte. 12 Impulse. Zeit für dich.

Ein Rauhnächte-Workbook für Mütter, die zwischen Alltag, Liebe und Selbstzweifeln wieder Vertrauen in sich selbst finden möchten.

Die 12 Nächte laden dich dazu ein, innezuhalten, dich selbst wieder wahrzunehmen, Ängste und alte Muster zu betrachten, deine Grenzen kennenzulernen und herauszufinden, was du dir für dein eigenes Leben wünschst.

Dabei geht es nicht darum, alles richtig zu machen oder noch mehr auf deiner To-do-Liste abzuhaken. Du entscheidest selbst, wie tief du gehen möchtest und welche Impulse dich begleiten.

Probleme bei der Abendroutine?

Weniger Stress am Abend – mehr Ruhe für euch 💛

Kennst du das?
Diskussionen, Trödeln und ein „Ich will aber nicht!“ – jeden Abend aufs Neue.

Der kleine Drache begleitet dein Kind spielerisch durch die Abendroutine, erklärt die einzelnen Schritte – und hilft dabei, sie selbstständig umzusetzen.

So wird aus Druck plötzlich Verständnis.
Und aus Stress ein liebevolles Ritual.

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