Der Morgen startet chaotisch
Kind eins weigert sich, sich die Zähne putzen zu lassen, während Kind zwei einen Wutanfall bekommt, weil die „richtigen“ Socken nicht da sind.
Du suchst nach den Socken, stolperst über das Spielzeug, das gestern Abend nicht weggeräumt wurde, weil du zu müde warst. Staubsaugen sollte man auch mal wieder.
Endlich haben alle Füße Socken und die Zähne sind geputzt, aber die Zeit drängt: Frühstück, Kita-Boxen, los zur Arbeit. Im Hof vor der Kita wirft sich eines deiner Kinder auf den Boden, schreit – und ein Passant schaut dich seltsam an. In dir wächst Unbehagen und du erwischst dich bei der Frage: Was der sich jetzt wohl denkt? Ob er glaubt, ich hätte meine Kinder nicht im Griff? Hat er vielleicht recht?
Wenn die Kinder endlich im Kindergarten sind, fühlst du dich ausgelaugt, als hättest du nichts im Griff. Die Kinder scheinen nicht brav genug, in die Brotdosen hat es nur Toast geschafft – und der Chef wartet bereits.
Warum Selbstzweifel entstehen
Welche Erwartungen haben wir eigentlich an uns? Wir wollen die gelassene Mutter sein, die alles mit einem Lächeln stemmt. Die Wohnung soll ordentlich und dekoriert sein. Wir wollen eine gute Partnerin und erfolgreich im Job sein. Am besten nie ausfallen und niemandem zur Last fallen. Um Hilfe bitten? Unmöglich – schließlich müssen wir das alles allein schaffen. Ach, und Hobbys nicht vergessen. Schließlich wollen wir uns ja irgendwo zwischendrin auch noch selbst finden – und Sport treiben. Für die Gesundheit. Man wird ja schließlich nicht jünger.
Wir versuchen, mehrere Personen gleichzeitig zu sein, mehrere Vollzeitjobs perfekt zu erfüllen – einfach weil es von uns verlangt wird.
Mentale Last anerkennen
Wenn es wieder ruhiger wird, merken wir: Das funktioniert nicht. Wir müssen die mentale Last sehen und anerkennen.
Sie ist real und lastet überwiegend auf weiblichen Schultern. Es ist unbequem zuzugeben, dass wir nicht alles perfekt erledigen können – und dass wir uns dabei nicht selbst opfern dürfen.
Die Frage ist nicht, ob wir daran scheitern, sondern nur wie gut wir unser Scheitern vertuschen. Doch genau das müssen wir aufhören.
Wir lernen von klein auf, uns für unsere Familie oder den Partner zu opfern. Aber wir dürfen Raum einnehmen, uns selbst diesen zugestehen und einfordern.
Perspektive: Selbstfürsorge statt Schuld
Ja, das klingt alles gut – aber was kann ich konkret tun?
Wir können nicht 24/7 perfekte Mütter sein und gleichzeitig im Job alles geben. Das ist schlicht unmöglich.
Hilfe annehmen: Frag, wer eine Stunde mit den Kindern zum Spielplatz geht.
Pausen einplanen: Kaffee trinken, Badewanne, Spaziergang – egal wie kurz.
Perfektion loslassen: Dein Wert hängt nicht von blitzsauberen Küchen oder perfekt gepackten Brotdosen ab.
(Dazu habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. Du findest ihn Hier. Warum wir glauben, unser Wert würde von solchen Dingen abhängen und darüber, warum Besuch solchen Stress auslösen kann.)
Ich sage mir klar: Ich bin keine schlechte Mutter, nur weil ich an Grenzen stoße.
Was wirklich zählt
Kein Kind wird sich später daran erinnern, ob die Küche blitzeblank war oder die Fenster geputzt.
Woran erinnern wir uns selbst, wenn wir an unsere Kindheit denken? Meist an die Momente, in denen die Eltern entspannt, albern und präsent waren. Nicht an perfekte Ordnung. Nicht an einen perfekten Zeitplan.
Ja, der lässt sich oft nicht vermeiden, aber hin und wieder eben doch.
Kurzfazit
Mentale Last ist real – und wir dürfen sie anerkennen. Wir dürfen Pausen machen, Hilfe annehmen und aufhören, uns selbst zu verurteilen.




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[…] Gefühl von „Ich bin nicht genug“ zieht sich oft durch den ganzen Alltag.In meinem Beitrag „Mentale Last bei Müttern: Wenn ‚Ich bin nicht genug‘ Alltag wird“ gehe ich genauer darauf ein, woher diese Gedanken kommen und warum sie so hartnäckig […]