„Maaaamaaaaa, spielst du mit mir?“ Diesen Satz hörte ich, bevor wir unsere Sanduhren hatten, ständig und gefühlt den ganzen Tag. Dieser kleine, niedliche, quengelnde Mensch lief mir hinterher und bettelte um meine Aufmerksamkeit. Währenddessen war ich ständig abgelenkt, gestresst und konnte selten konzentriert arbeiten oder eine Aufgabe in Ruhe zu Ende bringen.
Dabei habe ich irgendwann gemerkt, dass es für uns beide gar nicht unbedingt besser ist, wenn ich immer wieder zwischendurch ein paar Minuten mit ihm spiele. Für ihn ist es etwas anderes, wenn ich wirklich ganz bei ihm bin, statt nebenbei zu spielen und mit den Gedanken schon wieder bei der nächsten Aufgabe zu sein.
Also habe ich mir eine Lösung überlegt, die unseren Familienalltag für uns tatsächlich verändert hat: Ich habe meinem Sohn Sanduhren geschenkt.
Mit ihnen habe ich ihm echte Aufmerksamkeit, einen klaren Rahmen und gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, seine eigenen Interessen zu vertreten.
Aus „gleich“, „nur noch kurz“ und „später“ wurden klare Absprachen, Verständnis und Kompromisse.
Und unser Familienalltag wurde dadurch erstaunlich viel ruhiger.
Hinweis: Das Thumbnail zeigt unsere echten Sanduhren. Die Bilder der einzelnen Szenen wurden mithilfe von KI nachbearbeitet, da ich die entsprechenden echten Situationen nicht fotografieren kann.
Unsere Einsatzgebiete
Wir nutzen die Sanduhren inzwischen an ganz unterschiedlichen Stellen in unserem Alltag:
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beim Mittagsschlaf bzw. bei der Ruhezeit
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bei gemeinsamen Spielzeiten
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für Arbeitszeitfenster für mich
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für Denk- und Konzentrationspausen für mich
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für bewusste Verbindungszeiten
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als Orientierung beim Losfahren
Die Liste lässt sich natürlich noch beliebig erweitern. Entscheidend ist für mich nicht, die Sanduhr möglichst oft einzusetzen, sondern sie genau dort zu nutzen, wo ein klarer zeitlicher Rahmen uns beiden guttut.
Psychologische Vorteile
Das sind die psychologischen Vorteile, die wir persönlich mit den Sanduhren erleben. Sie sind nicht durch Studien belegt.
Ich erinnere mich noch daran, wie meine Mama immer an mir vorbeigehetzt ist. Ständig fielen Sätze wie: „Gleich, mein Schatz.“ oder „Ich muss nur noch schnell …“
Aus gleich wurde später und aus schnell wurde irgendwann Oh, schon so spät.
Als ich älter war, habe ich sie einmal gefragt: „Mama? Haben wir als ich klein war eigentlich zusammen gespielt?“
Sie hat mich ganz entsetzt angesehen und meinte: „Natürlich haben wir gespielt. Immer wieder.“
Heute, mit einem eigenen Kind, kann ich mir vorstellen, warum es in meiner Erinnerung trotzdem so aussah, als hätten wir fast nie gespielt.
Weil die Momente, in denen sie wirklich da war und nicht nur kurz zwischen zwei Aufgaben mit mir gespielt hat, selten waren.
Und ich glaube, genau das ist es, was mir heute so wichtig ist: Ich möchte meinem Sohn nicht den ganzen Tag über immer wieder ein paar Minuten meiner Aufmerksamkeit geben, während ich gedanklich schon bei der nächsten Aufgabe bin.
Ich möchte auch nicht den Anspruch haben, den ganzen Tag mit ihm spielen zu müssen.
Stattdessen möchte ich ihm Zeiten schenken, in denen ich wirklich bei ihm bin – und genauso Zeiten haben, in denen ich mich konzentriert meinen eigenen Aufgaben widmen kann.
Bedürfnis-Akku
Zumindest bei uns funktioniert das erstaunlich gut. Wenn ich mir bewusst Zeit für meinen Sohn nehme, habe ich anschließend oft sogar mehr Ruhe für meine eigenen Aufgaben.
Ich habe für mich das Bild, dass sein Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit dabei ein Stück weit „aufgeladen“ wird. Danach fällt es ihm leichter, sich mit sich selbst zu beschäftigen, während ich arbeite.
Und auch für mich macht es einen Unterschied: Wenn ich weiß, dass ich ihm später wieder ungeteilte Aufmerksamkeit schenken werde, kann ich mich zwischendurch viel leichter auf meine eigenen Aufgaben konzentrieren.
Zeitverständnis
Durch die verschiedenen Sanduhren kann mein Sohn mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickeln, wie unterschiedliche Zeitspannen zueinander stehen.
Er kann beispielsweise sehen und erleben, dass 15 Minuten länger sind als 10 Minuten und dass eine halbe Stunde deutlich länger dauert als eine Viertelstunde.
Auch bei Absprachen hilft uns das. Wenn ich ihm sage, wann wir das Haus verlassen möchten, kann ich ihm eine Sanduhr stellen und wir können gemeinsam überlegen, was bis dahin noch erledigt werden muss.
So bekommt eine abstrakte Zeitangabe einen sichtbaren Rahmen.
Raum für Diskussion
Oft versuchen wir Erwachsenen, Diskussionen mit unseren Kindern möglichst schnell zu beenden. Ich halte das nicht immer für den besten Weg.
Schließlich möchte ich, dass mein Sohn als Erwachsener seine Bedürfnisse vertreten und für seine Interessen einstehen kann.
Das bedeutet für mich aber nicht, dass er sich immer durchsetzen muss.
Ich möchte, dass er lernt, seine Wünsche zu äußern, die Interessen anderer wahrzunehmen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, mit der beide Seiten leben können.
Genau deshalb darf er bei uns auch über die Dauer einer Spielzeit mitentscheiden. Wollen wir zehn, fünfzehn oder zwanzig Minuten spielen? Wir können darüber sprechen und einen Kompromiss finden.
Echte Angaben statt Enttäuschung
Wenn wir uns darauf einigen, jetzt eine Viertelstunde zusammen zu spielen, dann halte ich mich auch daran.
Früher bin ich währenddessen doch oft wieder aufgestanden, weil ich „nur kurz“ etwas erledigen wollte.
Heute weiß mein Sohn: Diese vereinbarte Zeit gehört wirklich ihm.
Und genauso darf ich im Anschluss darauf bestehen, dass meine vereinbarte Zeit jetzt mir gehört.
Die Sanduhr macht unsere Abmachung sichtbar – und damit wird aus einem „Mama, spielst du mit mir?“ nicht mehr automatisch eine endlose Verhandlung.
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Unsere Sanduhren konkret im Alltag
Mittagsschlaf
Mein Sohn ist jetzt in einem Alter, in dem er nicht mehr jeden Mittag einschläft, die Ruhepause aber eigentlich noch braucht, um den Abend ohne ständiges Stolpern zu überstehen. Gleichzeitig möchte ich den Mittagsschlaf nicht mit Zwang durchsetzen. Deshalb haben wir einen Kompromiss gefunden.
Neben seinem Bett steht eine 30-Minuten-Sanduhr. Wir drehen sie um, nachdem wir gemeinsam ein Buch gelesen haben. Diese 30 Minuten verbringt er dann im abgedunkelten Schlafzimmer.
Was er in dieser Zeit macht, ist seine Sache. Manchmal höre ich ihn reden oder singen. Manchmal spielt er mit einem Spielzeug, das er sich für seine Ruhezeit ausgesucht hat. Und manchmal schläft er nach wenigen Minuten ein.
So oder so habe ich diese halbe Stunde für mich – um mich zu entspannen oder zu arbeiten.
Wenn der Sand durchgelaufen ist, kann mein Sohn selbstständig sehen, dass seine Ruhezeit vorbei ist, und wieder zu mir kommen. Häufig schläft er bis dahin allerdings ein, sodass ich ihn später wieder wecke.
Spielzeit vs. Konzentrationszeit
Ich brauche Phasen im Alltag, in denen ich nicht permanent angesprochen werde. Phasen, in denen ich einen Gedanken in Ruhe zu Ende führen kann.
Deshalb nutzen wir die 15-Minuten-Sanduhr häufig dafür, unsere Zeit abzuwechseln.
Eine Viertelstunde spielen wir – was immer er möchte. In dieser Zeit bin ich ganz bei ihm. Anschließend darf ich in Ruhe machen, was ich möchte.
Danach können wir wieder wechseln oder etwas gemeinsam machen.
Das sorgt bei uns auf beiden Seiten für viel mehr Entspannung. Vor allem an schwierigeren Tagen, an denen unsere Stimmung schon etwas aufgeladen ist, hat uns diese intensive Spielzeit schon oft aus unserem gereizten Loop herausgeholt.
Denn manchmal braucht es gar nicht mehr gemeinsame Zeit, sondern bewusst gemeinsame Zeit.
Eigenständiges Zeitmanagement
Natürlich kann ein Kleinkind das nur in einem begrenzten Rahmen, aber mir ist es wichtig, dass mein Sohn lernt, sich an Abmachungen zu halten und ein Zeitgefühl zu entwickeln.
So sage ich ihm mithilfe der Sanduhren auch oft, wann wir das Haus verlassen wollen. Wir besprechen gegebenenfalls gemeinsam, was er bis dahin noch erledigen sollte.
Für Ausflüge zu Freunden, bei denen keine anderen Kinder dabei sind, bietet es sich zum Beispiel an, Spielzeug einzupacken, da er sich sonst schnell langweilen würde.
Dieses Spielzeug soll sich dann innerhalb der vereinbarten Zeit in einen Rucksack bewegen und bereit sein, wenn wir loswollen.
Wie er diese Zeit nutzt, ist dabei seine Sache. Er kann selbst entscheiden, welches Spielzeug er mitnehmen möchte und wie lange er sich mit der Auswahl beschäftigt.
Wenn er sich damit sehr lange beschäftigt, hat er am Ende vielleicht weniger Zeit zum Packen und kann entsprechend weniger mitnehmen oder muss schneller entscheiden, was er wirklich braucht.
Natürlich könnte ich ihm einfach sagen, was er einpacken soll, und darauf achten, dass er rechtzeitig fertig wird. Aber mir ist wichtig, dass er zunehmend selbst Verantwortung für solche kleinen Aufgaben übernimmt.
Die Sanduhr gibt ihm dafür einen überschaubaren Rahmen: Das ist die Zeit, die dir zur Verfügung steht. Was du daraus machst, entscheidest du.
Für uns sind die Sanduhren deshalb längst viel mehr als eine Möglichkeit, Zeit zu messen. Sie geben unserem Alltag einen Rahmen, in dem die Bedürfnisse von uns beiden Platz haben.
Mein Sohn weiß, wann seine Ruhezeit vorbei ist. Er weiß, dass die vereinbarten 15 Minuten Spielzeit wirklich ihm gehören. Und er darf mitentscheiden, ob wir zehn, fünfzehn oder zwanzig Minuten spielen.
Genauso darf ich darauf bestehen, dass meine vereinbarte Arbeitszeit mir gehört.
Ich glaube, genau das hat unseren Alltag so viel ruhiger gemacht. Nicht, weil mein Sohn plötzlich weniger Aufmerksamkeit möchte oder weil wir weniger miteinander diskutieren. Sondern weil wir nicht mehr ständig darüber streiten müssen, ob und wann etwas passiert. Wir haben einen Rahmen, innerhalb dessen wir miteinander verhandeln können.
Und vielleicht ist das für mich der größte Vorteil der Sanduhren: Sie machen aus einer Situation, in der mein Sohn und ich leicht auf unterschiedlichen Seiten stehen können, eine gemeinsame Vereinbarung.
Nicht Mama gegen Kind.
Sondern wir beide auf derselben Seite – und die Sanduhr hilft uns dabei, den vereinbarten Rahmen einzuhalten.
Falls dir die Idee des vorgegebenen Rahmens gefällt und das Konzept mit deinem Kind auf einer gemeinsamen Seite zu stehen, dann gefällt dir vielleicht auch Lünie, der unseren Abend begleitet.




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