Auch wenn wir uns noch so sehr vornehmen, unsere Kinder niemals anzuschreien – ich glaube, nur die wenigsten von uns schaffen das wirklich.
Wir werden wütend, werden laut und bereuen es oft schon wenige Minuten später. Schließlich wollten wir es doch anders machen.
Und unsere Kinder? Sie fühlen sich in solchen Momenten häufig hilflos und ausgeliefert. Oft fehlen ihnen noch die Worte, um auszudrücken, was in ihnen vorgeht. Und selbst wenn sie die passenden Worte finden, treffen diese bei uns in unserer Wut nicht immer auf offene Ohren.
Genau deshalb ist bei uns zuhause ein Wutmonster eingezogen.
Die Idee stammt übrigens nicht von mir. Ich habe sie auf Instagram entdeckt und sofort gewusst: So etwas brauchen wir auch.
Aber was macht das Wutmonster eigentlich?
Es bekommt einen festen Platz, den dein Kind jederzeit erreichen kann. Wird ein Elternteil einmal wütend oder laut, darf das Kind das Wutmonster holen und überreichen.
So erhält es eine Möglichkeit, etwas auszudrücken, das vielen Kindern noch schwerfällt:
„Ich habe Angst.“
„Ich fühle mich gerade hilflos.“
„Ich wünsche mir wieder Verbindung mit dir.“
Ohne Diskussion. Ohne die richtigen Worte finden zu müssen. Und manchmal reicht genau das aus, um einen festgefahrenen Moment zu durchbrechen.
Probleme bei der Abendroutine?
Lünies Abendroutinekarten mit liebevoll illustriertem Kinderbuch, das die Abendroutine kinderecht erklärt und spielerisch zur Kooperation motiviert.
Materialliste
Die Materialliste ist diesmal besonders individuell, denn hier gilt ganz klar:
Erlaubt ist, was Spaß macht.
Überlegt gemeinsam, womit ihr euer Wutmonster gestalten möchtet. Ob Pompons, Wackelaugen, Sticker, buntes Papier, Bänder, Glitzer oder Filzstifte – alles ist erlaubt. Je verrückter und persönlicher das Monster wird, desto besser.
Das Schöne an dieser Bastelidee ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. Das Wutmonster darf genauso aussehen, wie dein Kind es sich vorstellt.
Das Wutmonster gestalten
Da mein Sohn noch recht klein ist und viele Details weder selbst zeichnen noch ausschneiden kann, haben wir das Wutmonster gemeinsam entwickelt.
Ich habe ihm einfach Fragen gestellt und ihn entscheiden lassen:
„Sollen die Hände eher wie die eines Menschen aussehen oder wie die eines Tieres?“
„Möchtest du Froschbeine oder lieber Mäusebeine?“
„Sollen die Ohren spitz wie bei einer Katze sein oder rund wie bei einem Bären?“
So konnte er das Monster aktiv mitgestalten, ohne von seinen feinmotorischen Fähigkeiten ausgebremst zu werden.
Ganz nebenbei entstand dabei eine schöne gemeinsame Bastelzeit und ein Wutmonster, mit dem er sich wirklich identifizieren konnte.
Gemeinsam den richtigen Platz auswählen
Die Idee steht und fällt mit dem Ort, an dem das Wutmonster später seinen Platz bekommt.
Hängt es im Kinderzimmer, während Konflikte meist in der Küche oder im Wohnzimmer entstehen, wird dein Kind vermutlich nicht erst durchs halbe Haus laufen, um es zu holen.
Überlegt deshalb gemeinsam, wo das Wutmonster am besten aufgehoben ist. Idealerweise befindet es sich dort, wo ihr euch die meiste Zeit aufhaltet oder wo es typischerweise zu Konflikten kommt.
Je leichter dein Kind das Wutmonster erreichen kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ihm im entscheidenden Moment tatsächlich hilft.
Und genau darum geht es schließlich: Deinem Kind ein einfaches Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem es auch dann noch Kontakt aufnehmen kann, wenn die passenden Worte gerade fehlen.
Wenn die Wut größer ist als die Worte
Natürlich wird ein Wutmonster keine Konflikte verhindern. Es sorgt nicht dafür, dass wir nie wieder laut werden oder immer perfekt reagieren.
Aber es kann Kindern eine Stimme geben, wenn ihnen selbst gerade die Worte fehlen.
Für mich ist das Wutmonster deshalb kein Bastelprojekt, sondern ein kleines Symbol. Es erinnert uns daran, dass hinter Wut, Tränen und Streit oft unerfüllte Bedürfnisse, Unsicherheit oder der Wunsch nach Nähe stecken.
Und manchmal reicht schon dieser kleine Perspektivwechsel, um einen angespannten Moment zu entschärfen.
Vielleicht wird euer Wutmonster nie gebraucht. Vielleicht wird es aber auch zu einem wichtigen Werkzeug, das deinem Kind hilft, in schwierigen Situationen wieder Verbindung zu suchen.
Und genau das ist doch das Schönste, was wir unseren Kindern mitgeben können: Die Gewissheit, dass sie auch dann auf uns zukommen dürfen, wenn gerade nicht alles harmonisch läuft.


