Veränderung ohne zusätzlichen Druck
Zum Jahresende, wenn überall von Besinnlichkeit und Ruhe die Rede ist, beginnt für viele Mamas erst die anstrengendste Phase.
Ein Menü planen, das selbst die wählerischsten Kinder essen. Geschenke besorgen, weil irgendjemand sie vergessen hat. Termine koordinieren, Erwartungen der Familie erfüllen und dabei möglichst niemanden enttäuschen.
Und kaum sind diese Wochen geschafft – oft erschöpfter als uns lieb ist – steht schon die nächste Liste vor der Tür:
Mehr Sport. Weniger Süßigkeiten. Mehr Ordnung. Früher ins Bett. Weniger Handy. Mehr Zeit für die Familie. Endlich wieder etwas für mich tun.
Neues Jahr, neues Ich.
Aber muss das eigentlich so sein?
Warum wollen wir uns ausgerechnet zum Jahreswechsel verändern?
Ich finde Neujahrsvorsätze grundsätzlich gar nicht schlecht.
Der Jahreswechsel ist schließlich ein ziemlich natürlicher Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. Wir blicken zurück und überlegen, was im kommenden Jahr anders werden soll. Nur ist dieser natürliche Wechsel eigentlich nicht mitten im Winter sondern zum Frühlingsbeginn (Aber das ist eine andere Geschichte).
Problematisch wird es für mich erst dann, wenn aus diesem Rückblick eine lange Liste dessen entsteht, was mit uns nicht stimmt.
Ich bin zu undiszipliniert, nicht sportlich genug und ich esse zu viel. Ich bin zu unordentlich, verbringe zu viel Zeit am Handy und müsste mich besser um mich kümmern.
Und plötzlich wird aus einem neuen Jahr eine neue To-do-Liste für die eigene Persönlichkeit.
Vielleicht brauchen wir manchmal nicht mehr Disziplin, sondern mehr Verständnis.
Denn bevor ich etwas dauerhaft verändern kann, hilft es, überhaupt zu verstehen, warum es gerade so ist.
Nehmen wir das Beispiel Süßigkeiten. Wenn ich mir vornehme:
„Ab Januar esse ich keinen Zucker mehr.“ Dann kann das funktionieren – vielleicht.
Aber vielleicht lohnt sich vorher eine andere Frage:
Wann esse ich eigentlich besonders viel Süßes?
Ist es der Nachmittag, an dem die Kinder seit Stunden an mir hängen?
Der Abend, an dem endlich alle schlafen und ich zum ersten Mal am Tag fünf Minuten Ruhe habe?
Der Moment, in dem ich mich belohnen möchte?
Oder esse ich, weil ich eigentlich völlig erschöpft bin und gerade etwas brauche, das schnell angenehm ist?
Dann ist die Schokolade vielleicht gar nicht das eigentliche Problem.
Und wenn ich nur die Schokolade verbiete, ohne zu verstehen, welche Funktion sie in meinem Alltag erfüllt, habe ich zwar einen Vorsatz formuliert – aber noch nichts an der Ursache verändert. Hier entsteht dann meistens das bekannte Problem, dass wir unsere Vorsätze einige Tage mit Disziplin aufrecht halten können, aber bereits im Februar alles wieder beim Alten ist.
Das lässt sich auf erstaunlich viele Bereiche übertragen.
Hinter einem Vorsatz steckt oft eine andere Frage
„Ich muss mehr Sport machen.“
Vielleicht steckt dahinter:
Ich möchte mich wieder wohler in meinem Körper fühlen.
Oder:
Ich vermisse das Gefühl, körperlich etwas leisten zu können.
Oder:
Ich möchte wieder mehr Energie haben.
Oder vielleicht auch:
Ich habe Angst, nicht mehr attraktiv genug zu sein.
Das sind völlig unterschiedliche Ausgangspunkte.
Und sie verlangen auch nicht unbedingt dieselbe Veränderung.
Wenn ich mich aus Angst vor meinem eigenen Körper zum Sport zwinge, kann daraus schnell ein weiterer Punkt auf meiner Liste werden, bei dem ich versage.
Wenn ich dagegen merke, dass Bewegung mir tatsächlich guttut und ich mich danach besser fühle, verändert sich meine Motivation.
Die Handlung kann dieselbe sein, doch der Grund dafür ist ein anderer.
Nicht jeder Vorsatz ist schlecht
Dabei möchte ich Neujahrsvorsätze gar nicht verteufeln. Manchmal wissen wir sehr genau, was wir verändern möchten. Vielleicht tut uns eine Gewohnheit tatsächlich nicht gut. Vielleicht wollen wir uns gesünder ernähren, mehr Bewegung in unseren Alltag bringen, weniger arbeiten oder endlich eine Grenze setzen. Dann ist ein konkretes Ziel sogar hilfreich.
Der Unterschied liegt für mich deshalb weniger zwischen „Vorsatz“ und „kein Vorsatz“, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Ausgangspunkten:
„Was stimmt mit mir nicht und wie kann ich mich endlich verbessern?“
oder:
„Was habe ich über mich und mein Leben verstanden – und was möchte ich daraus verändern?“
Das zweite beginnt nicht mit Selbstkritik.
Es beginnt mit Beobachtung.
Genau dafür mag ich die Rauhnächte
Die Rauhnächte müssen dafür nicht einmal etwas Übernatürliches sein.
Für mich sind sie vor allem ein Zeitraum, in dem ich mir bewusst erlaube, langsamer zu werden und zurückzuschauen.
Was ist in diesem Jahr eigentlich passiert?
Was hat mir Kraft gegeben?
Was hat mir Kraft genommen?
Welche Entscheidungen waren richtig für mich?
Wo habe ich mich selbst aus den Augen verloren?
Welche Menschen haben mir gutgetan?
Wo habe ich meine eigenen Grenzen ignoriert?
Und welche Dinge möchte ich im kommenden Jahr nicht einfach wiederholen?
Das ist etwas anderes als eine Liste mit guten Vorsätzen. Denn bevor ich entscheiden kann, wohin ich möchte, muss ich zumindest ungefähr wissen, wo ich gerade stehe.
Vom „Ich muss“ zum „Ich möchte“
Vielleicht ist das die wichtigste Veränderung überhaupt.
Aus
„Ich muss endlich mehr Sport machen.“
wird:
„Ich möchte mich wieder stärker und wohler in meinem Körper fühlen.“
Aus
„Ich muss weniger am Handy sein.“
wird:
„Ich möchte meine Aufmerksamkeit wieder bewusster dahin lenken, wo sie mir wichtig ist.“
Aus
„Ich muss geduldiger mit meinen Kindern sein.“
wird:
„Ich möchte besser verstehen, was mich so schnell an meine Grenze bringt.“
Und aus
„Ich muss endlich lernen, mich selbst wichtiger zu nehmen.“
wird vielleicht:
„Ich möchte herausfinden, warum ich meine eigenen Bedürfnisse so häufig hinten anstelle.“
Das klingt zunächst nach einer kleinen sprachlichen Veränderung.
Ist es aber nicht.
Denn die Frage verschiebt sich von „Wie zwinge ich mich dazu, besser zu funktionieren?“ zu „Was brauche ich eigentlich, damit Veränderung möglich wird?“
(In diesem Beitrag findest du 5 Fragen, die ich mir gerne stelle.)
Veränderung braucht nicht immer mehr Druck
Gerade als Mama kennen wir Druck vermutlich zu Genüge.
Wir sollen organisiert sein, geduldig, liebevoll, gesund, attraktiv, beruflich erfolgreich, emotional verfügbar und gleichzeitig entspannt. Da erscheint es mir wenig sinnvoll, den Jahreswechsel zu nutzen, um uns noch eine weitere Liste vorzulegen, auf der wir festhalten, was wir im nächsten Jahr alles besser machen müssen.
Vielleicht darf der Blick stattdessen einmal in die andere Richtung gehen.
Nicht:
Was muss ich an mir reparieren?
Sondern:
Was möchte ich besser verstehen?
Nicht:
Was habe ich dieses Jahr alles nicht geschafft?
Sondern:
Was hat mich dieses Jahr eigentlich beschäftigt?
Nicht:
Welche Gewohnheiten muss ich loswerden?
Sondern:
Warum halte ich an ihnen fest?
Und vielleicht ergibt sich daraus am Ende sogar ein konkreter Vorsatz.
Nur kommt er dann nicht aus dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, sondern aus einer bewussteren Entscheidung.
Und genau darin liegt für mich der Wert der Rauhnächte.
Nicht darin, dass zwölf Nächte automatisch unser Leben verändern. Sondern darin, dass wir uns überhaupt einmal die Zeit nehmen, hinzusehen.
Mein persönlicher Weg durch die Rauhnächte
Ich habe mir über mehrere Jahre hinweg meine eigenen Rauhnächte-Workbooks zusammengestellt.
Nicht, weil ich jedes Jahr ein komplett anderer Mensch werden wollte.
Sondern weil ich gemerkt habe, dass mir dieser feste Rahmen dabei hilft, tatsächlich innezuhalten. Aus dieser persönlichen Sammlung ist schließlich mein eigenes Rauhnächte-Workbook entstanden.
Es enthält Reflexionsfragen, Übungen und Impulse für die einzelnen Nächte und das kommende Jahr – so aufgebaut, dass auch dann etwas damit anzufangen ist, wenn das Leben gerade nicht nach zwölf stillen Abenden aussieht.
Denn gerade als Mama kann ich mir nicht immer aussuchen, wann ich Zeit für mich habe.
Vielleicht sind es zehn Minuten am Abend, vielleicht nur der Mittagsschlaf. Vielleicht sitzt du auch mit deinem Workbook am Küchentisch, während neben dir noch das ganz normale Leben stattfindet.
Auch das zählt.
Das Workbook soll deshalb kein weiterer Punkt auf deiner Liste sein, den du „richtig“ erledigen musst.
Es ist ein Rahmen, den du nutzen kannst, wenn du dir für diese Zeit etwas mehr Struktur wünschst.
12 Nächte. 12 Impulse. Zeit für dich.
Ein Rauhnächte-Workbook für Mütter, die zwischen Alltag, Liebe und Selbstzweifeln wieder Vertrauen in sich selbst finden möchten.
Die 12 Nächte laden dich dazu ein, innezuhalten, dich selbst wieder wahrzunehmen, Ängste und alte Muster zu betrachten, deine Grenzen kennenzulernen und herauszufinden, was du dir für dein eigenes Leben wünschst.
Dabei geht es nicht darum, alles richtig zu machen oder noch mehr auf deiner To-do-Liste abzuhaken. Du entscheidest selbst, wie tief du gehen möchtest und welche Impulse dich begleiten.
Vielleicht brauchst du dieses Jahr keinen neuen Menschen aus dir zu machen
Vielleicht brauchst du auch gar keinen Neuanfang.
Vielleicht möchtest du nur besser verstehen, was in diesem Jahr mit dir passiert ist.
Was du gelernt hast. Was dich erschöpft hat. Was dir gefehlt hat. Was dir gutgetan hat.
Und was du nicht noch einmal erleben möchtest.
Vielleicht entsteht daraus ganz von selbst eine Richtung für das neue Jahr.
Und vielleicht ist genau das nachhaltiger als zehn Vorsätze, die wir uns am 1. Januar voller Motivation aufschreiben und im Februar schon wieder vergessen haben.
Du musst nicht mit einem besseren Ich ins neue Jahr starten.
Du darfst auch einfach mit einem klareren Blick auf dich selbst beginnen.



